Welches Shopsystem passt zu Ihrem Betrieb?
Shopify, WooCommerce, Headless oder ein schlanker Checkout mit Stripe: worauf es bei der Wahl wirklich ankommt und welche Fragen Sie vorher klären sollten.
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Fast jedes Gespräch über einen Online-Shop beginnt mit derselben Frage: Shopify oder WooCommerce? Wir drehen sie im Erstgespräch meistens um. Zuerst wollen wir wissen, was Sie verkaufen, an wen Sie verkaufen und wer den Shop nach dem Start betreut. Erst danach ergibt die Systemfrage Sinn. In unseren Projekten kommen vier Wege in Frage. Mehr braucht ein kleiner oder mittlerer Betrieb in Österreich in aller Regel nicht.
Bevor wir über Software reden, schauen wir uns Ihre Produkte an. Wie viele Artikel sind es? Wie oft ändern sie sich? Gibt es Varianten? Ein T-Shirt in fünf Größen und drei Farben sind für das System fünfzehn Artikel mit eigenem Lagerstand. Wer Lebensmittel, Gutscheine oder Seminare verkauft, hat wieder ganz andere Anforderungen.
Dann kommt die Frage nach Geschäftskunden. Sollen Wiederverkäufer andere Preise sehen, auf Rechnung bestellen oder Mindestmengen einhalten? Solche B2B-Funktionen können nicht alle Systeme von Haus aus. Oft braucht es Erweiterungen, die eigene laufende Kosten verursachen. Und schließlich: Gibt es schon eine Warenwirtschaft oder eine Buchhaltungssoftware, mit der der Shop Daten austauschen muss? Diese drei Punkte entscheiden mehr als jedes Feature-Vergleichsblatt.
Shopify: schnell startklar, aber gemietet
Shopify ist ein gehosteter Dienst. Server, Sicherheitsupdates und Zahlungsabwicklung übernimmt der Anbieter. Sie zahlen dafür eine monatliche Gebühr. Für eine junge Marke mit überschaubarem Sortiment ist das oft der vernünftigste Start.
So war es bei Merchflix, einer Marke für Fan-Merchandise. Wir haben den Shop gemeinsam mit dem Gründer auf Shopify geplant, von der Produktpräsentation bis zum Checkout. Weil ein Großteil der Einkäufe am Handy passiert, lag der Schwerpunkt auf der mobilen Bedienung. Um Server oder Updates muss sich Merchflix nicht kümmern.
Die Kehrseite sollten Sie kennen. Viele Funktionen kommen über Apps mit eigenem Abo. Wer einen externen Zahlungsanbieter statt Shopify Payments nutzt, zahlt zusätzliche Transaktionsgebühren. Wie weit Sie den Checkout anpassen dürfen, legt Shopify fest. Ihre Produkte und Bestellungen können Sie exportieren, die Plattform selbst bleibt aber gemietet.
WooCommerce: flexibel, wenn sich jemand kümmert
WooCommerce ist eine Erweiterung für WordPress. Der Shop läuft auf Ihrem eigenen Hosting, die Daten liegen auf Ihrem Server. Für fast jede Anforderung gibt es ein Plugin: Händlerpreise, besondere Versandregeln, Anbindungen an Buchhaltung und Warenwirtschaft. Diese Freiheit ist der größte Vorteil.
Sie ist auch der größte Aufwand. WordPress, Theme und jedes Plugin bekommen laufend Updates. Wer sie liegen lässt, riskiert Sicherheitslücken. Wer sie ungeprüft einspielt, riskiert einen Fehler im Checkout. Ein WooCommerce-Shop ohne regelmäßige Wartung ist deshalb keine gute Idee. Mit Betreuung im Hintergrund ist er eine solide Lösung für Betriebe, die mehr Kontrolle wollen.
Unsere Empfehlung ist selten ein Systemname, sondern eine Kombination aus Sortiment, Zielgruppe und der ehrlichen Antwort auf die Frage, wer sich kümmert.
David LindenbauerCo-FounderHeadless: eigenes Frontend, Shopify im Hintergrund
Bei einem Headless-Shop trennen wir die Technik in zwei Teile. Shopify oder ein anderes Shopsystem verwaltet im Hintergrund Produkte, Bestellungen und Zahlungen. Die Seiten, die Ihre Kundinnen und Kunden sehen, entwickeln wir als eigene Website. Das gibt volle Freiheit bei Gestaltung und Ladezeit.
Das lohnt sich, wenn der Shop Teil einer inhaltsreichen Website ist, wenn das Design mit Vorlagen nicht umsetzbar ist oder wenn mehrere Sprachen und Kanäle zusammenkommen. Es kostet aber mehr Entwicklung. Zudem funktionieren viele Shopify-Apps nur in den Standard-Themes. Für die meisten kleinen Shops ist Headless schlicht nicht nötig. Wir raten nur dazu, wenn die Gründe oben wirklich zutreffen.
Wenige Produkte: ein schlanker Checkout mit Stripe
Nicht jeder Verkauf braucht ein Shopsystem. Wer Seminare, Termine oder ein paar Gutscheine verkauft, braucht keinen Warenkorb, keine Kategorien und keine Lagerverwaltung. Hier bauen wir lieber einen schlanken Bezahlvorgang direkt in die Website ein. Die Zahlung selbst wickelt Stripe ab, ein Zahlungsdienstleister, der Karte, Klarna und EPS anbietet.
Für die VÖPP haben wir so eine Plattform entwickelt, über die Mitglieder und Interessenten Seminare und Lehrgänge buchen und per Stripe bezahlen. Bei der Kinesiologin Sarah Fraberger sind Terminbuchung und Bezahlung in einem Ablauf verbunden. Manchmal ist auch gar nichts Neues nötig: Bei TopMoves haben wir die bestehende Buchungslösung des Tanzstudios in die neue Website integriert, statt sie zu ersetzen.
Der Haken: Alles, was über das Bezahlen hinausgeht, muss eigens gebaut werden. Wächst das Sortiment, ist ein richtiger Shop irgendwann die bessere Wahl.
Österreichische Eigenheiten, die oft vergessen werden
Egal welches System, diese Punkte prüfen wir vor jedem Shop-Projekt:
Rechnungen: Sie müssen die Pflichtangaben nach § 11 Umsatzsteuergesetz enthalten. Nicht jedes System erzeugt solche Rechnungen ohne Zusatzmodul.
Umsatzsteuer: Wer an Privatkunden in andere EU-Länder liefert, verrechnet ab einer EU-weiten Umsatzschwelle die Steuer des Ziellands. Gemeldet wird über den One-Stop-Shop (OSS). Der Shop muss dafür die richtigen Steuersätze je Land kennen.
Zahlungsarten: EPS ist die österreichische Online-Überweisung, bezahlt wird mit dem Login der eigenen Bank. Klären Sie, ob Ihr Zahlungsanbieter EPS unterstützt.
Versand: Etiketten sollen direkt aus dem Shop kommen, nicht abgetippt werden. Fragen Sie bei der Post oder Ihrem Versanddienstleister, welche Anbindung es für Ihr System gibt.
Barrierefreiheit: Seit 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsgesetz auch für Online-Shops, mit einer Ausnahme für Kleinstunternehmen. Details dazu in unserem Beitrag zum Barrierefreiheitsgesetz.
Wer pflegt den Shop nach dem Start?
Diese Frage entscheidet am Ende oft mehr als alle Funktionen. Wer trägt neue Produkte ein? Wer spielt Updates ein? Wer reagiert, wenn eine Zahlung hängt? Wenn in Ihrem Betrieb niemand dafür Zeit hat und auch keine Agentur den Shop betreut, ist Shopify die sichere Wahl. Wenn die Wartung geregelt ist, stehen Ihnen WooCommerce und Headless offen.
Unsere Empfehlung ist deshalb selten ein Systemname. Sie ist eine Kombination aus Sortiment, Zielgruppe und der ehrlichen Antwort auf die Frage, wer sich kümmert.
Wie wir Shops planen und anbinden, lesen Sie unter E-Commerce & Shopsysteme.
Häufige Fragen
Kurz beantwortet
Kann ich später von WooCommerce zu Shopify wechseln oder umgekehrt?
In vielen Fällen ja. Produkte, Kundendaten und Bestellungen lassen sich übertragen. Der eigentliche Aufwand steckt in den Weiterleitungen der alten Produktadressen und in Sonderfunktionen, die bisher über Erweiterungen liefen.
Brauche ich für Gutscheine oder ein paar Kurse wirklich einen eigenen Shop?
Meistens nicht. Für wenige Angebote reicht oft eine Buchungs- oder Bestellseite mit einem Bezahlvorgang über Stripe. Einen vollwertigen Shop lohnt es sich erst, wenn Sortiment, Lager oder Versand dazukommen.
Welche Zahlungsarten sollte ein Shop in Österreich anbieten?
Kartenzahlung und eine Online-Überweisung wie EPS sind eine gute Grundlage. Ob Klarna oder PayPal dazukommen, hängt von Ihrer Kundschaft ab. Jede Zahlungsart verursacht Gebühren, deshalb wählen wir bewusst aus.
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